Archiv für Oktober 2007

sag den andern…

…uns gehts gut. ein wochenende voller studierereiversuche und maessig erfolgreicher lernsessions sowie ganz vorzueglich amuesanter halloweenparties liegt hinter mir. ich war pirat und hatte eine gummieente auf der schulter, die eigentlich ein verkleideter papagei war, weil ja halloween war. und weil ich ein so unglaublich schickes kostuem anhatte, habe ich sehr viele leute kennengelernt. und weil ich schon wieder nix getrunken hab, erinnere ich mich sogar an alle, was nicht nur erfreulich ist. denn wie bei kostuemierereien so ueblich, hielten es ein paar menschen mal wieder fuer noetig, zu zeigen, das sie die muehsam antrainierten „zivilisierten“ umgangsformen mit ihren klamotten zusammen ablegen koennen. bbbrrrrrrr. aber diese menschen haben es auch nicht leicht: wenn man nie ein zimmer fuer sich hat und stille und oropax synonyme sind, dann ist es auch schwer zu erklaeren, was man oeffentlich nicht machen soll. schliesslich gibt es ja kein privat. als schwerhoeriger unter schwerhoerigen hab ich allerdings keine assimilationsprobleme in sachen diskretion

aergerlich ist allerdings das kratzen in meinem hals, das sich anfuehlt als wuerde die morgige erkaeltung sich schon heute einrichten. so mit moebeln und so, weil sie ja vermutlich vorhat zu bleiben. ich werde sie aber rauswerfen. ich mache naemlich gleich etwas sehrsehr kalifornisches und gehe einen chaitlatte trinken. um zwoelf uhr nachts. weil: wenn man jemanden kuesst reichen auch sechs stunden schlaf.

ach ja, wenn jemand sich fuer fortgeschrittene lineare programmierung interessiert, moege er mir bitte schreiben. ich brauche jemanden, der mir das irgendwie schmackhaft machen kann. nicht helfen tut: das haben sozialistische mathematiker in der glorreichen sowjetunion entwickelt um die benzinversorgung der panzerbatallione nahe kursk zu sichern, nachdem doofland ihre westgrenze ueberrannt hatte. das hat vier wochen vorgehalten, jetzt brauch ich was neues.

ein squirrel hat meinen bagel gegessen. meine fresse komm ich mir jetzt hier wohnend vor.

so, und jetzt wuesch ich euch einen schoenen guten morgen und mir eine gute nacht. kuesschen!

tag 49, an dem kalifornien kurz aufatmet und mir die luft wegbleibt

gestern hab ich mich festgequatscht. bei starbucks. das neonlicht des foxtowers hat mal wieder zu traumhaft auf dem zement geflackert, die musik aus den boxen ein bisschen zu sehr nach jukebox geklungen und die andere seite des tisches einen zu niedlichen akzent beim deutsch sprechen gehabt, weswegen wir aus gruenden der unterhaltungsfortfuehrung auf englisch ausweichen mussten. um eins hatte dann selbst im serviceparadies kalifornien die bedienung genug davon, zwei nichtskaeufern den tresen offenzuhalten. unterhaltung auf dem neonbeflackerten asphalt fortgesetzt und festgestellt, das traenengetropft eine schoene wortkonstruktion ist, wenn man traurig darueber ist, dass eine sprachforschlerin bald nach hause faehrt. spaet zuhause gewesen. die hitze macht alles honigschleimig, die luft, das bett, die haut, egal welche, man kann haut, bett und luft kaumnoch auseinanderhalten. spannend und nicht unbedingt unangenehm, aber wenig schlaffoerdernd.
heute dann: exakt sieben wochen. tage fangen leider immernoch anders an als sie aufhoeren. das stechen im kopf ist kein kater, ich hab ja ewig nichtmehr getrunken, das stechen im kopf ist eigentlich mehr ein druecken am kopf, das druecken am kopf ist mein handy. schoene scheisse, wecker im halbschlaf ausgestellt und draufgelegt, haessliche druckstelle auf der stirn. ich hab verpennt und bin stinkend wie ein luchs in meine franzoesischklasse geschlichen. zu spaet, aber um ein exzellentes testergebnis in empfang zu nehmen. in history of economic thought nochmal eingenickt, weil der dozent wieder geklungen hat, wie jemand klingen sollte der mir maerchen vorgelesen haben wird.
der wind hat sich gelegt, deswegen ist es unmenschlich heiss, und es brennen etwas weniger villen als gestern. der rauch steigt jetzt allerdings senkrecht empor, was uns um drei uhr nachmittags einen pfirsichbluetenen sonnenuntergang bescherte: eine seltsame stimmung, die sogar auf dem belebten campus eine belegte stille erzeugt. die atemnot wirkt eher psychosomatisch, aber trotzdem bedrohlich. die hitze liegt schon fast camusianisch auf dem campus. aber waehrend unseres belagerungszustandes laeuft alles wie zuvor, nur eben zwei zentimeter richtung boden gedrueckt. um vier uhr nachmittags geht der tag aber wieder seinen lauf und ich ins kaffeehaus, um wie immer zwei stunden zu lernen und zwei stunden zu plaudern, wieder in deutsch-hollaendisch-englisch-spanisch, diesmal aber muede und froh und nicht mehr aufgeregtgefesseltmelancholisch.
einer theaterstudentin bei der auswahl von ddr requisiten geholfen um den tag abzurunden und ein paar gute taten zu tun. der mittlerweile purpurroten sonne wehmuetig hinterhergeblickt, in die bibliothek gegangen. mithilfe eines lexikons festgestellt, das ich romantiker bin, ob ich das will oder nicht. mit einem buch unterm arm in den park geflohen, nachsehen ob die sterne richtig stehen und der grosse baer vielleicht endlich den polarstern frisst. da haben schon ganz andere drauf gehofft.
nochmal ueber gestern nachgedacht, song to say goodbye gehoert und festgestellt, das man auch das lernen kann. placebo zu den sounds, degenhardt und spillsbury in meine zitatsammlung gestellt und mich an meinen laptop gesetzt, der nachweisslich nichtmehr schnee- sondern kirschbluetenweiss ist. und das musste gesagt und lange eingeleitet werden.

welcome to california…

es brennt. eigentlich ueberall in southern california. allerdingst steht der wind so guenstig, dass die eine rauchsaeule im osten und die andere im westen an westwood vorbeizieht. damit sind wir hier vermutlich die einzigen in ganz kalifornien, die den rauch nicht riechen. meinen alltag betrifft das feuer in zweierlei art und weise:
1. das fernsehen aendert sein programm um menschen mitzuteilen, das sie sich evakuierungsbereit machen sollen.
2. die reicheren mitstudenten haben schlechte laune, weil papas villa entweder schon brennt oder evakuiert wird.
da westwood nicht im wald liegt, steht hier allerdings nix zu befuerchten. ausser vielleicht das meine surfclass am donnerstag ausfaellt. ach ja, der heutige zynismus-award geht uebrigens an meinen linearprogramming professor:
„es ist doch gut, dass es jetzt brennt und nicht vor vier monaten. das haus ist vermutlich eh nix mehr wert, die hypothek faul und ein neues kriegen sie jetzt fuer die haelfte!“
schade ist nur, dass ich endlich jemanden aus malibu kennengelernt hatte, der mich zum surfen und saunen am wochenende einladen sollte. naja, muss ich halt jemanden in newport finden…

nur so…

…ich kringel mich immernoch vor lachen wenn ich dran vorbeilaufe:

ja ich weiss, ich bin ein unverbesserlicher kindskopp…

w. benjamin goes prosa

„Turned wrong way round, the relentless unforeseen was what we schoolchildren studied as „History“, harmless history, where everything unexpected in its own time is chronicled on the page as inevitable. The terror of the unforeseen is what the science of history hides, turning a disaster into an epic.“

und das ist nur einer der zahlreichen schoenen und wichtigen passagen aus philip roths „the plot against america“ (fuer den weniger anglophilen leser auch unter dem titel „verschwoerung gegen amerika“ erhaeltlich). muss gelesen werden, muss verschenkt werden, muss teil jeden gutsortierten buecherregals sein.

kleiner hinweis in eigener sache 2:

cool ist, dass die zahl der leser unaufhoerlich steigt.
cool ist, dass viele leute nette kommentare schreiben und sogar wildfremde leute hier oefter vorbeikommen.
NICHT cool ist, dass immernoch leute hier landen die bei google nach inzest suchen.
OBERCOOL ist, auf was fuer einer liebevoll eingerichteten seite man landet, wenn man das .blogsport in meiner adresse weglaesst. mein gott, was gibt es doch fuer bedauernswerte individuen.
NICHT GANZ SO cool war unsere partycrew am samstag. bevor hier die sorgenorgien weitergehen, wir hamm mit sonem laden nicht gerechnet und werden da auch nicht wieder hingehen.

i‘m still alive…

…der club war aufregend. als wir um elf ankamen, durften nur gaestelistenmenschen hinein. also tranken wir eine sprottenbillige flasche rotwein im dazugehoerigen restaurant (30$). in saccos und abendkleidern schritten wir dann (eher: trippelten wir) um halb eins in den club. der ebenfalls ein wenig kostspielig war. innen: kronleuchter, ledersessel, techno und getraenke, die in fingerhutgrossen cocktailglaesern serviert wurden. musik super, ambiente super, auswahl super (fuenf raeume). fanden wir. fand leider augenscheinlich auch die chinesische mafia.
die zahlreichen nachweisslich ueber fuenfzigjaehrigen maenner, die am tresen sassen und ihren kaum 21jaehrigen begleitungen beim tanzen zusahen, ignorierten wir. den teil des raumes, der offensichtlich als anbahnungsgebiet genutzt wurde, mieden wir. als dann aber zwei augenscheinlich frisch gepuderte maenner mit sonnenbrille einen handgreiflichen streit ueber eine frau gerieten, wandelte sich die situation von „etwas weird bis eklig“ zu „alter, raus hier“.
nach drei stunden verliessen wir den laden wieder. schade um das geld eigentlich. mussten wir halt den restlichen abend pommes essen. was auch spass macht. und auch ganz gut ist um sich gegenseitig zu erzaehlen, wie unheimlich das eigentlich war. ach ja, so sieht der laden uebrgens aus:


gestern abend hab ich dann lieber bei starbucks gesessen, romantsches zeugs gedacht waehrend ich die neonlichter auf dem asphalt sah und einen brief geschrieben. und heute acht stunden kaffeegetrunken. ich bin eben ein mann der extremsportarten. und sollte kaffeetrinken mal olympische diszplin werden koennen mir die goldmedallien schon im vorfeld per post geschickt werden. ausserdem hab ich freiwillig sushi gegessen. im gegenzug wurden mir komplimente fuer mein franzoesisch gemacht. was vermutlich nicht weniger ueberwindung war…

perspectives culturelles…

…ohne hier in klischees abdriften zu wollen. aber ueber ein paar kleinigkeiten muss mal wieder aufgeklaert werden:

taiwan vs. california
schon fuer den mitteleuropaeisch sozialisierten menschen ist es nicht ganz einfach, sich daran zu gewoehnen im fahrstuhl angequatscht, von fremden menschen auf der strasse nach dem allgemeinen befinden gefragt, von jedem angegrinst und angefasst zu werden. wenn man (im falle der beobachtung eher frau) aber nun aus einer konservativen taiwanesischen familie kommt, in der man sich nach moeglichkeit selbst innerhalb der familie nichts direkt in die hand gibt – dann hat man es um einiges schwerer. ich konnte nur schwer den reflex unterdruecken, sie in den arm zu nehmen als sie das mit zitternder stimme erzaehlte. haette vermutlich nix besser gemacht. (auf absehbare zeit muss ich sie allerdings umarmen. is naemlich meine einzige mitraucherin in dem haus hier)

la france vs la californie
dumm ist es allerdings, das a kiss on the cheek hier nicht als regulaere begruessung anerkannt wird. franzos(auch hier eher -innen), muessen damit rechnen, dass sie zu tode geherzt, geheiratet und nichtmehr losgelassen resp. sehr bloed angeguckt werden, wenn sie die standardbegruessung der eingeborenen frankreichs praktizieren.

la france vs. new zealand
ich bin ja nicht so sport. aber frankreich hat new zealand geschlagen. rugby heisst der sport und euphorie und schande das ergebnis. hhuuuiii, ich hab selten so geknickte menschen gesehen wie unsere austauschneuseelaender. die jetzt darauf bestehen, dass sie im kricket besser sind. was zur hoelle ist eigentlich kricket? ich hab ja nichtmal baseball begriffen.

me vs. la france
von allen verabredungen und zeitempfindungen schneidet frankreich nachweislich am schlechtesten ab. immer zu spaet (mind. 15 min) zweimal versetzt. dagegen sieht die argentinische statistik geradezy deutsch aus.

pyjamas
eine der allertollsten angewohnheiten amerikanischer wohnhemsstudentInnen ist es, im schlafanzug zu abend zu essen. auf der einen seite nicht so overdressed wie gewoehnlich, vor allem aber heimelich und saugemuetlich vermittelt das ganze ein sehr schoenes gefuehl im bauch. man sollte dabei allerdings das essen ncht vergessen.

christen
sind ein trauriges phaenomen. ueberall und jederzeit versuchen sie einen in ihr elend mit hineinzuziehen. von ihrem freudlosen leben in eine art aktivitaetsrausch getrieben lungert der christ in groesseren gruppen am zentralen verbndungsweg des campus herum und moechte einem die seele rauben. ein paar besonders abscheuliche exemplare der obergattung christ entbloedete sch nochnichteinmal am „national coming out day“ eine demonstration zu veranstalten, mit der sie eigentlich allen menschen die hoellenqualen androhten die sie bem gedanken an leben empfinden muessen.

tanzen gehen
ist hier echt ncht so enfach. aber wir geben ncht auf. heutiger plan: fuffies durch promicluns in hollywood schmeissen. das waere doch gelacht, ich berichte dann morgen.

regen
gestern hatte ich fast ein bisschen heimweh. es hat gegossen wie aus kuebeln. alles stand unter wasser, weil zwischen los angeles und dem erdreich ueberall mindestens zwei meter beton liegen. und was machen diese wilden? tanzen auf der strasse, weil es doch sonst nie regnet. ich bin inne pfuetze getreten und jetzt muss ich immer niesen. kackwetter. daran sind die hollaender schuld.

eine wasserdichte kamera…

…waer was feines. dann haette ich bilder von den delfinen machen koennen, die man haette streicheln koennen, wenn sie einen dann nicht beissen wuerden. und von den pelikanen, die in pfeilformation richtung mexiko flogen waehrend die sonne im untergehen das ozeanpanorama voellig verkitschte. allerdings waere ich dazu auch viel zu erschoepft gewesen. denn nach zwei stunden auspaddeln, mit den beinen das board klammern und drehen, mit den armen beschleunigen und dann mit aller kraft aufspringen um vielleicht diesesmal, nein wieder nicht, auch mal stehen zu koennen, war ich am ende so jelly, dass die brecher mich nur ganz ungeruehrt mit meinem surfboard verpruegelten. aber ich war im ozean. und ich bin besser geworden. und jetzt bin ich so euphorisch, dass meine kaffeetrinkbegleitung sich schon beschwert hat. aber obwohl das ein wenig schwer erzaehlbar ist: mit salz auf der haut, herrlich mueden augen und kribbeln in den haenden wollte ich der leserInnengemeinde doch mal meine freude mitteilen.
da die woche sich dem ende zuneigt und die klausuren naexte woche nicht allzu arbeitsintensiv wirken, folgt am we vielleicht auch mal wieder ein etwas ausfuehrlicherer bericht, aus dem nicht nur die momentane laune des schreiberlings zu schliessen ist, sondern auch mal ob was und was genau passsiert ist. bis denn dann…

einige impressionen

ich hatte gerade eine wundervolle unterhaltung, die mein fuer acht veranschlagtes essen bis zehn ausdehnte. ein wenig verwirrt, vor allem aber gut gelaunt werde ich mich jetzt nicht meinen franzoesischuebungen fuer den text widmen, sondern mich frueh schlafen legen, weil ich a)was schoenes traeumen will und b) morgen vor der uni laufen und schwimmen gehen will. aber vorher moechte ich euch ein paar huebsche bilder zeigen, die sonst in meinem handy verrottet waeren (was die bildqualitaet entschuldigen soll):


der idyllische teil des nachhauseweges


ein schoenes bild. so punkrockromantik mit einem schuss „zurueck zur natur im beton“


das wohl kafkaeskeste – ja was eigentlich? treppenhaus ja wohl kaum…


mein saugeiles feuerzeug. mit dem man nach gebrauchsanweisung nix illegales machen darf. danke fuer den hinweis.


mein bisheriges lieblingssouvenir in los angeles. sollte man sich eigentlich brueskiert fuehlen, wenn man sowas geschenkt kriegt?

jetzt wisst ihr zwar nix neues, aber ich hab was getan, wonach man gut schlafen gehen kann. naemlich nochmal was erzaehlt. jetzt hat sich meine aufregung ein wenig gelegt…