der wahnsinn der das wissen macht

konfrontiert mit der volkswirtschaftlichen theorie bekommen die meisten leute, die noch nicht tief genug drinstecken das kotzen. die gruende dafuer sind meist ein undefiniertes unbehagen das ausbuchstabiert meistens in eine der folgenden kategorien faellt:
1. so darf man nicht denken, du gefaellst dir doch auch nur in der rolle des arschlochs oder?
2. so sind menschen doch garnicht. nicht so rational, schon garnicht allwissend und manchmal sogar ein bisschen altruistisch.
3. das ist doch ein glasperlenspiel das mit der realitaet nix zu tun hat. ihr hohepriester.
alle diese einwaende sind irgendwie berechtigt, haben allerdings die schwaeche dass sie die form und nicht den inhalt der vwl treffen (nicht das ich das man das trennen koennte, aber der inhalt uebersteht so manchen formwandel). und so endet eine diskussion mit einem oekonomen auch meist sehr unbefriedigend mit der einsicht, dass der wohlstand doch auch fuer die armen steigt, grade wenn man dem markt freien lauf laesst (vielleicht erst nach jahrzehnten, aber geschichte kills, das ist nun mal so) und dass alles andere naiv oder egozentrisch ist.
in der tat hat die vwl ueber die letzten 150 jahre einen beeindruckenden begriffsapparat geschaffen, der ziemlich genau vorhersagen kann, was er misst. und was er nicht vorhersagt ist auf exogene schocks zurueckzufuehren. hintergrund dieser rasanten entwicklung, die ziemlich ueberraschend ist, wenn man in betracht zieht, dass die vorgaengerin der vwl, die „politische oekonomie“ nach adam smith fuer beinahe 100 jahre die wissenschaft des unheils bespottet wurde, weil von malthus und ricardo bis zu marx eigentlich jeder der was auf dem kasten hatte, irgendwie zu einem katastrophalen oder doch eher nuechternen ausblick kam, was die zukunft des kapitalismus anging. was war passiert?
die vwl hat still und leise einen der kernbestandteile der alten poloek ueber den haufen geworfen. eine ware ist in der vwl soviel wert, wie jemand dafuer zu bezahlen bereit ist, unter der vorraussetzung dass das die kosten deckt. (deswegen gibt es in der freien marktwirtschaft keinen mangel: wer es sich nicht leisten kann, fragt es nicht nach. deswegen gibt es keine arbeitslosigkeit: fuer limes 0 finden alle arbeit, oder verhungern halt. aber so zynisch sind selbst oekonomen selten. zumindest bei offenen tueren). was aber das wirklich fantastische ist, ist, das keine planung noetig ist, weil der preis alle informationen beinhaltet, die man benoetigt um produktion und konsumption zu harmonisieren und langfristig zu harmonisieren.
der fehler ist so offensichtlich, das man ihn nicht sieht, waehrend man ihn macht: die aggregierung aller subjektiven beduerfnisse scheint zwar plausibel, denn wer weiss besser wieviel mir etwas wert ist als ich selbst und so erfahren wir dann gleich, wieviel es der gesellschaft im schnitt wert ist. und wenn wir das dann ernstnehmen, dann koennen wir auch saetze wie diesen schreiben, den ich heute in einem lehrbuch las, dass sonst uebrigens garnicht so uebel ist:
„…if wealth increases we should expect a increasing demand for oil as well. As a short overview on the structure of prices shows, (grafik) WEALTHIER PEOPLE PREFER TO LIVE IN WARMER HOUSES…“ ach so. allgemein ziehen es reichere leute uebrigens auch vor, genug zu essen zu haben. arme leute hingegen ziehen kleine, zugige bruchbuden vor. sowas wuerde schlechte laune machen, wenn man nicht prinizipiell schon ein wenig abgestumpft waere (erwachsen, in der alltagssprache).


1 Antwort auf „der wahnsinn der das wissen macht“


  1. 1 ego 26. November 2007 um 16:26 Uhr

    warum gibt es wohl hier keinen Eintrag? Weil man dazu kaum etwas sagen kann. Ich habe jetzt auch nicht wirklich etwas dazu zuschreiben, außer, dass es großartig ist, geschrieben ohne kommentiert zu haben.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.