reim dich oder ich fress dich

obwohl ich garnicht so schlecht dichten kann, wie mir nach dem lesen der deutschen presse in letzter zeit wird, hier eine buettenrede, denn man soll doch in sprachen zu ihnen sprechen, die sie in ihrer deutschheit verstehen, also nicht auf deutsch, sondern auf buette, die der verhinderte senile alt68er deutschlehrer in mir verfasst hat, meinen drittletzten eintrag betreffend.

harte zeiten sinds, zumal,
nach der wahl ist vor der wahl,
so mancher um den posten bangt,
den er so muehsam hat erlangt.
und so braucht man auf die schnelle
ein thema. heut sinds kriminelle -
die ganz schlimmen selbstverstaendlich.
die aus andren laendern stammend,
den fuss in deutsche leiber rammend,
nicht zu gebrauchen sind schlussendlich.

und so schreitet man zur tat.
damit auf deutscher heimaterde
oben nicht zu unten werde,
so erlasse man gesetze:
nur ein deutsch ein deutsch verletze.
und da wird man ganz geschaeftig,
poltert nicht nur furchtbar heftig,
in berlin scheint man zu meinen,
wie im grossen, so im kleinen!
weil man sich so sicher fuehlt,
wenn alles auf die andren zielt
engagiert man dann am ende
auch „germanias“ starke haende.

ein letztes man mir noch gestatte,
wo ich’s doch mit germania hatte:
multiethnisch kampferprobt,
haett opa sich wohl auch gelobt.

damit moechte ich natuerlich niemandes opa verunglimpfen. da der ja vermutlich im widerstand war, wie eigentlich alle, die sich nicht durch die gnade der spaeten geburt feige entzogen haben. und ausserdem leidet in jedem krieg die zivilbevoelkerung am schlimmsten. und da die deutschen am schlimmsten gelitten haben – das kann man ganz klar beweisen: die deutschen waren total erfolgreich im alle vernichten, die anderen nicht. da menschen nun mal so sind, folgt daraus, dass die deutschen viel professioneller, ergo effizienter, ergo schmerzfreier waren – also waren sie per definitionem alle zivilisten. das soll nix relativieren, aber klarstellen, dass es gute recht eines jeden opas ist „das auch mal sagen zu duerfen“. weil das sein enkel naemlich ohnehin schon die ganze zeit sagt und im geheimen sein sohn auch schon gewusst hat. und schliesslich haben die tuerken angefangen. nicht nur in der ubahn, sondern auch vor wien. gute nacht, in der ich hoffentlich nicht an deutschland denke, weil ich frei nach heinrich dem heine eine muetze schlaf braeuchte um die ich sonst gebracht wuerde.