widerlich, pervers und deutschenfeindlich

eigentlich ist es nun ueberhaupt nicht der zweck dieses blogs, sich mit den ereignissen zwischen oder und rhein, die manchmal so gerne maas und memel waeren, auseinander zu setzen. das unglaeubige kopfschuetteln, mit dem man nun aber ueber den grossen teich blickt, die hilflosigkeit die sich einstellt, wenn man in die zeitungen oder podcasts vom kartoffelacker blickt, die sind vielleicht doch teil einer ueberseeerfahrung die man aufschreiben sollte. ueber die ereignisse, die dazu fuehrten, dass der wahnsinn sich bahn bricht, muss ja an dieser stelle nichtmehr aufgeklaert werden. zwei jugendliche, die zur heimlichen freude der urteilenden keinen deutschen pass haben, werden von einem sehr deutschen rentner darauf hingewiesen „dass das rauchen in deutschen ubahnen verboten ist“ und treten ihn daraufhin zusammen. der rentner landet fuer zehn tage im krankenhaus, die jugendlichen werden fuer bis zu zehn jahre im gefaengnis landen. auch dass wahlkampf ist und das, was in einem herr koch so denkt, kann ich wohl als gegeben vorraussetzen. seit sophokles weiss jeder, dass die jugend verroht ist. da nuetzt es eben nichts zu sagen, dass jugendkriminalitaet seit jahren ruecklaeufig ist, dass 90% der streiche im „fliegenden klassenzimmer“ heute vermutlich schon in den jugendstrafvollzug, auf jeden fall aber in die jugendkriminalitaetsstatistik fuehren wuerden, dass „auslaendische“ jugendliche, wenn man soziale stellung und/oder bildung als variable in die statistik mit aufnimmt sogar weniger straffaellig werden, als ihre doitschen alterskameraden, das ist hinlaenglich bekannt. hilft aber nix.
nun aber: die ZEIT, nicht gerade der hort von scharfer polemik und kritik, hat einen redakteur. dieser insasse des deutschen feuilletons tat etwas fuer seine zunft sehr ungewoehnliches, weil richtiges: er erlaubte sich zu fragen, was menschen wohl dazu bringt, jemanden so zusammen zu treten. zeit, videostream
und kommt, oh schreck, zu dem schluss, dass es wohl nicht ganz zufaellig ist, wer da durchtillt. das sagt er noch nicht einmal. was er sagt ist noch viel leiser und vorsichtiger (die unsicherheit ist dem armen kerl foermlich anzusehen. er weiss wohl mit wem er sich grade anlegt): die normalitaet von demuetigung und gaengelung in deutschland mag der druck sein, der sich in dem gefilmten exzess sein ventil sucht.
was daraufhin losbricht gibt dem angeklagten recht: er sei „krankhaft deutschenfeindlich“, er, das „offensichtlich kaputte relikt der 68er“ solle doch, nein, nicht nach drueben gehen, sondern: „den schaedel eingetreten bekommen“ (wie waers denn mit vergasen?). denn er verteidige (was er mit keinem wort getan hat) „menschen, denen noch nichteinmal die primitivsten verhaltensregeln beigebracht worden sind“ und die den rentner „mit fusstritten hinrichten wollten“. in dieser verkehrung wird es noch deutlicher: hingerichtet werden sollte nicht der rentner. die beiden haben ihn zusammengeschlagen. hinrichten will die beiden die aufgebrachte meute, die die ganze zeit so tut, als haetten die beiden dafuer einen lolli bekommen und waeren zu mama geschickt worden (zum unnoetigen gegenbeweis genuegt, wenn man denn will, wie hier nachlesen kann, sogar ein blick in die bild). und das rauchverbot in deutschen ubahnen als „primitivste verhaltensregeln“ zu bezeichnen ist mehr als seltsam: welch barbarei muss in laendern herrschen, wo in ubahnen immernoch geraucht werden darf? es genuegt eben nicht keine gedanken zu haben, man muss auch unfaehig sein sie auszudruecken.
(alle zitate aus den kommentaren, die auf das video folgten).
heine hatte, als er von „germanias antlitz“ sprach, poetische massstaebe angelegt. in der sache muss man hingegen mit der titanic sagen: deutschland hat kein antlitz. noch nichtmal ein gesicht. deutschland hat eine angstverzerrte fratze. oder mit karl kraus: „…das verdaechtige am patriotismus ist nicht so sehr der hass auf andrer leute vaterlaender als die liebe zum eigenen…“ und weil ich darueber so wuetend bin, verlinke ich jetzt hier noch einen text, den ich beim googlen (hah!, fuck deutsche sprache!) gefunden und erst voellig wahnsinnig fand. seine plausibilitaet erschliesst sich aus den antworten. die sache hat der kritik recht gegeben.
serkan hatte keine chance
und bevor die frage kommt: ich weiss und glaube nicht, dass „es“ hier „besser ist“. ich bin grade nur mal wieder traurig darueber, wie es „da“ ist. weil ich eben manchmal ganz leise an das gute glaube. ich hippie.


5 Antworten auf „widerlich, pervers und deutschenfeindlich“


  1. 1 isegal 19. Januar 2008 um 11:49 Uhr

    koch spricht heut in göttingen…und wenn ich die bild gerade richitg gelesen ahbe stand auf der titelseite: kriminelle ausländer haben hier nichts zu suchen, jürgen drews sagte dies, würd ma sagen das nächste woche die asylantenflut dran sein dürfte, wenn sie `92 wiederholen wollen…

  2. 2 szeneputzen 20. Januar 2008 um 15:53 Uhr

    ab nach sibirien! KNALLHARTE STRAFMAßNAHME STATT KUSCHELPÄDAGOGIK!

    siehe hier: http://www.bildblog.de/2733/ein-wintermaerchen-fuer-roland-koch

  3. 3 jazzy 28. Januar 2008 um 21:19 Uhr

    jejeje,
    danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast.
    wenn man es nicht besser wüsste, könnte man auf die idee kommen, da hätte jemand den mob organisiert. aber der organisiert sich selbst.

  4. 4 Administrator 28. Januar 2008 um 23:54 Uhr

    @jazzy: das kommt drauf an, wie man „organisiert“ definiert. unser aller lieblingsmittagsbierpoet f.j. wagner hat zumindest in seinem alltaeglichen oberprimanerejakulat (diesmal wenigstens nicht in reimform) dazu aufgefordert, dem herrn jenssen „die meinung zu geigen“, und das szeneblaettchen des zerbildeteren teils der bildleser, die faz, widmete dem kommentar auch einen kommentar…

  1. 1 subwave - exakt neutral :: gar nicht schlau: die gruppe morgenthau. Pingback am 18. Januar 2008 um 21:33 Uhr
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