obszoeni- und realitaeten

south central – disneyland.
in den spaeten 60er jahren wurden, auf draengen von fbi und lapd, die baeume in south central gefaellt. nach den erfahrungen in vietnam war man zu dem schluss gekommen, dass es im falle zu befuerchtender unruhen in den ghettos besser sei, wenn die helikopter freies schussfeld haetten.
donald nimmt den kopf unter der erde ab. kindern moechte man den traumatischen schock nicht zutrauen, ihre helden sich selbst enthaupten zu sehen. den erwachsenen moechte man vermutlich den traumatischen schock ersparen, dass ein schweissueberstroemter immigrant ihre kinder streichelt.
die lapd verfuegte seit den 1950ern ueber ein „redsquat“ dessen hauptsaechlicher aufgabenbereich es war, die im kriegsboom gebildeten gewerkschaften wieder zurueckzudraengen.
wer modern times von charly chaplin kennt und die mainstreet in disneyland hinunterflaniert, der weiss warum der eine aus den usa ausgewiesen wurde und der andere mit mccarthy zusammenarbeitete und sich bei dritten das geruecht haelt, das haette auch noch was miteinander zu tun.
in den industriehallen der ehemalig drittgroesten industriestadt der usa befinden sich inzwischen sweatshops- skid row beherbergt die wohl groesste obdachlose tageloehnerarmee der, in diesem fall ja auch ziemlich, westlichen welt.
muell in disneyland liegt durchschnittlich vier minuten, bis ein froehlicher mensch in roter uniform ihn aufsammelt und einem einen schoenen tag wuenscht.
nach den „justice riots“ 1992, die in den medien ueberwiegend als irrationaler gewaltausbruck ueberwiegend crackabhaengiger dargestellt wurde, kam es zum letzten grossen organisierungsschub in den ghettos. die basis der meisten spektakulaeren gewerkschaftsaktionen inkl. die der beruehmten „justice for janitors“kampagne lag hier.
disneyland hat inzwischen einen geschwisterkind gegenueber. ‚california adventure‘

das beeindruckende sind nicht die kontraste- hier schmutzig da sauber, hier arm da reich, hier people of colour da weiss uswusw.- und die naehe, alles richtig, aber ein unertraeglicher allgemeinplatz. aehnlich daemlich wie die robbenaugen mit denen man angesehen wird, wenn einem mitgeteilt wird „es passiert genau jetzt, da kannst du doch nicht gleichgueltig bleiben“– als ob es besser waere wenn es zwei stunden frueher oder spaeter passieren wuerde. auch die „verlogenheit“ disneylands im gegensatz zu der brutalen „echtheit“ des ghettos ist nicht gerade ein prickelnder gegensatz- v.a. weil er falsch ist. vielmehr ist disneyland ueberecht: die arbeit findet unterirdisch oder als fast schon masochistisch-laiszives vergnuegen statt, waehrend oben alle tage die infantilisierte militaerparade durch den bunten geschichtslosen raum zieht. so gesehen ist es disneyland eine ueberrealistische abbildung der stadt. der highway ist in la was die erdoberflaeche in disneyland- wo bezeichnenderweise der einzige einblick in die unterwelt die geisterbahn ist.
vielleicht erklaert das die massiven polizeiaufgebote mit denen jede noch so kleine gewerkschaftsdemonstration begleitet wird: arbeit hat nicht an die oberflaeche zu kommen. was es wohl aus den psychoanalytischen spinnereien heraus zu destillieren gaebe, wenn man als den obszoenen subtext nicht mehr sexualitaet und „geschlechtstrieb“ liest, sondern arbeit und hunger? was ist von der gleichzeitigkeit der kameraueberwachung und riesenzaeune in beverly hills und den abgeschlagenen baeumen in south central zu halten?
erinnert mich daran, das ich die tage daran weiterbasteln muss.


3 Antworten auf „obszoeni- und realitaeten“


  1. 1 hey 09. April 2008 um 14:07 Uhr

    kompliziert ist , dass es bloße Betroffenheit ja auch nicht löst. Bin gespannt, was du da zusammenbastelst

  2. 2 Don Geilo 14. April 2008 um 19:34 Uhr

    ich fands auch nett… und du hast gelächelt. beide male;)

  3. 3 isegal 21. April 2008 um 18:53 Uhr

    es ist still geworden in der lauten stadt wie es scheint…

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