Archiv der Kategorie 'Allgemein'

im tiefbau zu babel

„willkommen am rauchfreien flughafen frankfurt“– „ist das alles, ja das ist es“ – „dichtungsmuffenservice“– ich bin wieder da. unter dem schlierig graupensuppigen himmel im dauerregen presse ich meine nase an das kuechenfenster und nerve die anwesenden mit der frage wann wir denn da sind. mit den kaeltesten fuessen meines lebens und einem voellig unverdaulichen zigarettenkonsum freue ich mich aufrichtig wieder hier zu sein, so komisch das auch sein mag. in LA ist es jetzt 5 uhr morgens und ich hab schon wieder verschlafen.
„dem exilanten kann das schreiben zur heimat werden“– hoffen wir, dass das auch umgekehrt funktioniert und dann finden meine fluchtreflexe bestimmt eines schoenen nicht allzu fernen tages die ein oder andere seite um sich auszutippen. vielleicht nichtmehr so solipsistisch kreiselig wie in diesem und dem vorgaengerprojekt- web 2.0 ist ja sowas von 2005, aber andererseits: ich kann ja doch nicht die schnauze halten.
an dieser stelle nochmal vielen dank fuers mitlesen, die engelsgeduld mit der meine uneingeloesten versprechen einfach ueberlesen wurden und die kopfkraulende freundlichkeit mit der meine selbstmitleidigen schreibkraempfe als wenn nicht lesens- so doch zumindest als beantwortungswuerdig betrachtet wurden. beauty sagt auf wiedersehen, vielleicht hier, vielleicht woanders oder eben naechstes jahr in jerusalem. und dann seh ich die meisten von euch ja sowieso in den naechsten tagen.

am ende…

…haette noch so viel gesagt werden muessen. im zwischenspeicher befinden sich texte mit so kryptischen titeln wie „housecoffe- motoroel englischsprachiensis“ oder „schuesse in der schuessel“. dass „ausstand im schlaraffenland“ nie fertiggestellt wurde ist vielleicht noch zu verschmerzen, aber „warum brecht adorno nicht auf die fresse gehauen hat“ haette mein gefuehltes niveau doch wohl sehr gehoben.
die kommende woche koennte allerdings gerade wegen des lernstresses noch die ein oder andere moeglichkeit bieten prokrastinierenderweise zumindest mit den geschichten und gedichten der letzten wochen noch dem ein oder anderen das gefuehl zu geben, sein lesezeichen nicht umsonst gesetzt zu haben. wie ich ein t-shirt erbeutete, dass der schriftzug „god bless our war“ ziert zum beispiel, oder wie ein rechtschreibfehler mich auf die falsche seite in den cultural wars verschlug.
sowieso traeume ich davon zu tippen waehrend ich nach ablauf der kuendigungsfrist aus meinem apartment getragen werde. da schadet es ja nicht noch ein paar projekte auf lager zu haben.

die zahnpasta und das sein

existentielle krisen beginnen mit kleinigkeiten, sindvon aussen (ha, wer ist das eigentlich, dieser „aussen“) betrachtet selber kleinigkeiten und am ende haben sie eine ihnen ganz eigene komik.
in der drogerie vor dem regal trifft es einen mit der kanonenkugeligen wucht der erkenntnis: „es lohnt nicht mehr die grosse zahnpastatube zu kaufen.“ besoffen wankt man nach hause um sich im spiegel zu betrachten und das cafestatement von vor drei tagen auszuradieren: die erkenntnis das man aussieht wie chris martin. aber auch das will nicht gelingen. der versuch den facebookstatus zu aendern- wenn sich etwas aendern soll, dann muss man als deutscher eben auf der formellen ebene beginnen- fuehrt dazu, dass man das walter benjamin zitat mit einem adorno zitat ersetzt. naja, ein schritt zurueck ist auch bewegung. aber dieses chrismartingesicht muss weg.
zu bloed das man unter der maske immer genauso aussieht. und am ende sitzt man lachend mit einem buch neben sich und einem freund auf dem schoss in einem coffeeshop- soeben wurde mir mitgeteilt das ich aussehe wie chris martin. „bei manchen menschen ist es schon eine frechheit wenn sie ich sagen“? ich bin von kopf bis fuss unverschaemt, das ist ein teil meiner liebenswuerdigkeit. ueberhaupt: weiss der ehrenwerte orden der adorniten eigentlich dass die haelfte von teddys textproduktion aus, zugegebenermassen schoen anzusehenden, kalenderblattweisheiten besteht?
„Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.“
hust, raeusper. naja. wieder zurueck zum thema. ich lebe in einem muellhaufen und trage gebuegelte unterhosen. mein zigarettenkonsum nimmt unweigerlich jedesmal zu wenn ich mir vornehme ihn zu reduzieren. meine emails klingen wie kontaktanzeigen oder anklageschriften (die die ich schreibe). meine traeume langweilen mich „if my innerst thoughts could be seen, they probably put my head into a guillotine“ da hat der bob dylan aber sehr viel interessantere gedanken gehabt als ich. if my innerst thoughts could be seen wuerden sich leute fragen wie zur hoelle man so viel ueber zahnpasta nachdenken kann.

getoese, gekroese und ein abend im cafe


leise sei es geworden in der lauten stadt, so hiess es ueber mein schweigen der letzten wochen. das ist so nur bedingt richtig. hin und wieder scheint es eher als ob das gebruell der stadt einen in eine art filmstarre versetzt, in der es still wird- schoen waere es doch an dieser stelle auf „you are like a hurricane“ von neil young zurueckzugreifen… nachdem in einer leicht verstoerten diskussion herausgefunden wurde, das eben jener, also you, also der hurricane, eben kein cum sondern calm in den augen hat. das ist nicht nur weniger obszoen und poetischer, das wuerde auch passen, wenn der punkt nicht waere, das die ruhe im auge des sturms viel zu zentral ist. bei aller ichbezogenheit, die zu verheimlichen ja ziemlich laecherlich waere, wenn man einen blog betreibt- los angeles dreht sich nicht um mich, egal wie sehr ich da die schnauze halte. auch den kraus hervorzukramen und noch einmal zu rufen: wer jetzt noch was zu sagen hat, der trete vor und schweige! ist eine verlockung der nicht nachzugeben ist: mein schweigen war ja auch mitnichten das resultat einer tieferen einsicht in die stroemung unter der brandung an der oberflaeche.
vielmehr war es das leise eklipsen unfertiger gedanken um zerissene gegenstaende, das mich zu sehr gefangenhielt. und so ist es vermutlich auch kein zufall, dass ich genau jetzt den stift wieder zur seite lege und den laptop zur hand nehme. am ende bedurfte es wohl des stresses an dem abend vor einer klausur in etwas so stumpfem wie preisbildungstheorie um mich davon abzuhalten, immerwieder zu bemerken, dass die welt den satz noch weniger braucht als ich, der ihn doch auch nur loswerden will. so gesehen sind gedanken doch ein wenig wie herumstreunende propheten: man muss sie erstmal an was festnageln um wirklich was aus ihnen zu machen. und wenn das nicht reicht dann kann man sie ja immernoch wieder hervorkramen und ihre wunden vorzeigen.
oder man goennt sich ein wenig aliceesque selbstgenuegsamkeit und vermeidet die verletztheit eines entstehenden gedanken in dem man durch den spiegel sich begehrend entzieht… so ein narzissmus ist zwar ganz falsch und ueberhaupt nicht denkbar (im wahrsten sinne des wortes) aber das getoese das einen empfaengt wenn man in die plueschgewitter der grossstadt zurueckkehrt verspricht sich wieder oefter und einem damit wieder mehr als wenn man die ganze zeit an ihm geklebt haette…

obszoeni- und realitaeten

south central – disneyland.
in den spaeten 60er jahren wurden, auf draengen von fbi und lapd, die baeume in south central gefaellt. nach den erfahrungen in vietnam war man zu dem schluss gekommen, dass es im falle zu befuerchtender unruhen in den ghettos besser sei, wenn die helikopter freies schussfeld haetten.
donald nimmt den kopf unter der erde ab. kindern moechte man den traumatischen schock nicht zutrauen, ihre helden sich selbst enthaupten zu sehen. den erwachsenen moechte man vermutlich den traumatischen schock ersparen, dass ein schweissueberstroemter immigrant ihre kinder streichelt.
die lapd verfuegte seit den 1950ern ueber ein „redsquat“ dessen hauptsaechlicher aufgabenbereich es war, die im kriegsboom gebildeten gewerkschaften wieder zurueckzudraengen.
wer modern times von charly chaplin kennt und die mainstreet in disneyland hinunterflaniert, der weiss warum der eine aus den usa ausgewiesen wurde und der andere mit mccarthy zusammenarbeitete und sich bei dritten das geruecht haelt, das haette auch noch was miteinander zu tun.
in den industriehallen der ehemalig drittgroesten industriestadt der usa befinden sich inzwischen sweatshops- skid row beherbergt die wohl groesste obdachlose tageloehnerarmee der, in diesem fall ja auch ziemlich, westlichen welt.
muell in disneyland liegt durchschnittlich vier minuten, bis ein froehlicher mensch in roter uniform ihn aufsammelt und einem einen schoenen tag wuenscht.
nach den „justice riots“ 1992, die in den medien ueberwiegend als irrationaler gewaltausbruck ueberwiegend crackabhaengiger dargestellt wurde, kam es zum letzten grossen organisierungsschub in den ghettos. die basis der meisten spektakulaeren gewerkschaftsaktionen inkl. die der beruehmten „justice for janitors“kampagne lag hier.
disneyland hat inzwischen einen geschwisterkind gegenueber. ‚california adventure‘

das beeindruckende sind nicht die kontraste- hier schmutzig da sauber, hier arm da reich, hier people of colour da weiss uswusw.- und die naehe, alles richtig, aber ein unertraeglicher allgemeinplatz. aehnlich daemlich wie die robbenaugen mit denen man angesehen wird, wenn einem mitgeteilt wird „es passiert genau jetzt, da kannst du doch nicht gleichgueltig bleiben“– als ob es besser waere wenn es zwei stunden frueher oder spaeter passieren wuerde. auch die „verlogenheit“ disneylands im gegensatz zu der brutalen „echtheit“ des ghettos ist nicht gerade ein prickelnder gegensatz- v.a. weil er falsch ist. vielmehr ist disneyland ueberecht: die arbeit findet unterirdisch oder als fast schon masochistisch-laiszives vergnuegen statt, waehrend oben alle tage die infantilisierte militaerparade durch den bunten geschichtslosen raum zieht. so gesehen ist es disneyland eine ueberrealistische abbildung der stadt. der highway ist in la was die erdoberflaeche in disneyland- wo bezeichnenderweise der einzige einblick in die unterwelt die geisterbahn ist.
vielleicht erklaert das die massiven polizeiaufgebote mit denen jede noch so kleine gewerkschaftsdemonstration begleitet wird: arbeit hat nicht an die oberflaeche zu kommen. was es wohl aus den psychoanalytischen spinnereien heraus zu destillieren gaebe, wenn man als den obszoenen subtext nicht mehr sexualitaet und „geschlechtstrieb“ liest, sondern arbeit und hunger? was ist von der gleichzeitigkeit der kameraueberwachung und riesenzaeune in beverly hills und den abgeschlagenen baeumen in south central zu halten?
erinnert mich daran, das ich die tage daran weiterbasteln muss.

weil man das ja jetzt so macht

web 2.0 und feierei. in meiner linkliste findet sich jetzt eine radiostation die ich extra gebastelt habe. damit ihr jetzt auch immer schlechte musik hoeren koennt wenn ihr euch an meinen abenteuern ergoetzt.

und ein kurzer lesetip:

ein bewegliches heer von metaphern….

wieder was gelernt:

„…the value of a statistical us-american life is 6 million dollars- we calculate with it, that doesn‘t mean that it’s really worth it…“
public finance vorlesung
na dann holn wa mal den taschenrechner raus! jetzt wissen wir naemlich was passiert wenn oekonomen ohne gelaender denken.

denken ohne gelaender…


…hiess einer der traeume hannah arendts. in der duesteren tragik die so vieles umwoelkt was gegenstand des arendtschen denkens wurde, ist das eine der schoensten, vertraeumtesten und zugleich bescheidensten metaphern. in einer welt in der das denken vor lauter gelaendrigkeit nur so leitplankt (und so wird das denken zur A7- bestimmen kann man hoechstens ueber die geschwindigkeit mit der man in kassel landet. wer will denn nach kassel?), in der man sich permanent fragen muss „wofuer das denn gut sein soll“ klingt sie ein wenig schlaraffenlandig- und wenn man die theorien des denkens ernstnimmt, die sich ja weitestgehend einig sind, dass die beschraenkung der vater des gedankens ist, dann ist sie strengenommen auch eine fliegende gebratene taube. auf jeden fall ist der versuch diese utopie in die denkfabriken des akademischen betriebes einzubeziehen, zum scheitern verurteilt. das denken ohne gelaender gibt es hier nur als bodenloses denken: als pausenunterhaltung im alltagsbetrieb, lebensertuechtigung oder als abschreckendes beispiel des „verrueckten professors“. aber in all dem aufgeputschten turbodenken, zwischen dem ersten redbull und der polizeistunde im lesesaal ist es ganz egal ob hannah arendt das spaete glueck haben wird mit einem einzigen ihrer schoenen gedanken recht zu behalten- auf dem gelaender sitzen, die fuesse baumeln lassen und ohne gelaender zu denken ist auf jeden fall eine verdammt schoene idee. denn visa hin oder her, die freiheit nehm ich mir- denn ich kann sie mir nicht leisten.

haargenau.

die frau ist ja nun ueberhyped. aber irgendwer muss es dem spiegel ja mal sagen, immer wieder. das sturmgeschuetz des common sense fragt allerlei dummbanales und bekommt die antworten, die in ihrer einfachheit vielleicht auch dem deutschen feuilleton verstaendlich sind. danke charlotte.

„SPIEGEL: Ihre Forderungen klingen explizit feministisch.
Roche: Gerne.
SPIEGEL: Mit dem Label Feministin haben Sie kein Problem?
Roche: Woher denn?“

„SPIEGEL: Eine Skandalautorin, klingt das gut für Sie?
Roche: Wenn ich Französin wäre, dann wäre das schick. Aber eine deutsche Skandalautorin? Das klingt gefährlich nach Eva Herman.“