ich gehoere ja zu den leuten, die sich manchmal fuer ihren geschmack schaemen. cruel intentions/eiskalte engel hab ich ja auch eigentlich nur geguckt, weil der soundtrack so schoen ist. und dann fand ich den film gut. und dann hab ich mich geschaemt. und ich waer nicht ich, wenn ich nicht meine gruende gefunden haette, die es vollstaendig legitimieren den film gut zu finden. but let us start at the beginning:
die story ist simpel und beschaemend:
reicher junger student legt alle frauen flach, findet seine stiefschwester aufregend. die alle maenner flachlegt. er: hat deswegen auch ein winnerimage. sie: haelt das geheim und ist oberstudentin mit geheimem kokainproblem. beide schleissen eine wette ab, dass er es nicht schafft, die tochter des neuen rektors aus kansas flachzulegen, die jungfrau bleiben will, bis sie die grosse liebe gefunden hat. vielerlei verwirrungen, er bezirzt sie, hat augenscheinlich seinen meister gefunden, verliebt sich, legt sie dann doch flach, kann das dnicht geniessen, seine stiefschwester trennt die beiden, er will alles wieder kitten und stirbt. kann man ruhig erzaehlen, weil, die geschichte ist nicht der clou.
denn in der inszenierung ist der film besser als seine handlung. und damit ist nicht nur gemeint, dass die figur der stiefschwester in ihrer komplizenschaft und allmacht eine schoene umschreibung der inzestproblematik ist (sex mit ihr ist verboten, weil er so sinnvoll (im sinne von plausibel) waere und damit die spezielle spannung zwischen dem einzuverleibenden aussen und dem innen aufheben wuerde. nein, je naeher man die kitschige und dramatisierte handlung betrachtet, desto mehr faellt auf, dass sie sich selber sabotiert. in mehreren perspektiven.
a) die soziale: das urbane grosskapital, dass die liberalsten massstaebe auf sich anwendet und dabei in den klassischen mustern verhaftet bleiben muss (homosexualitaet ist pfui, frauen die man „hatte“ sind schlampen [uebrigens die aggressionsquelle der stiefschwester], trifft auf rurale perspektive: ich habe sex wennich die grosse liebe gefunden habe, wie auch immer das gehen soll, sind sich nicht gewachsen. aber die geschichte endet nicht in einer synthese, die die beiden erhaelt, sondern mit dem tod der beiden. er ganz praktisch, sie faehrt am ende sein auto – was zwar ein triumph ist, aber „seiner“.
b) die psychologische: interessant bleibt, was geheim ist und was oeffentlich. stiefschwester und protagonist sind in ihrer winnerposition hochgradig davon abhaengig, was oeffentlich wird und was nicht. das vertrauliche erzielen von etwas, was danach der oeffentlcihkeit preisgegeben wird, ist die quelle ihrer „macht“. dass er tagebuch fuehrt ist die verschluesselte andere seite dieser veroeffentlichungen: um die nicht in sich selbst abschliessende vertraulichkeit abzuschliessen, muss auch er sie dem grossen anderen anvertrauen. dieses grosse andere, also das gesetz, die verbalisierung oder eben die imaginierte oeffentlichkeit, spielt auch ausserhalb des diarys eine wichtige rolle. unvorstellbar, dass einer der beiden seine performance durchstehen wuerde, ohne dem geheimen oeffentlichen, naemlich dem anderen, zu berichten.
das dieses gleichgewicht von der verliebtheit gestoert wird, ist romantisch und strenggenommen nur halb richtig. erst das er die diskrepanz zwischen diesem leben und der verliebtheit nicht ertraegt und seine kansasliebe „abschiesst“ stoert es wirklich. das er dann, um seine beziehung zu retten, sein tagebuch herausrueckt, zerstoert es wirklich. er liefert sich der beurteilung durch den anderen beschraenkten horizont aus. dass das nicht gelingen kann, weil das grosse andere nur imaginiert ist, bleibt dem zuschauer erspart, weil er stirbt. eigentlich ist er aber in dem moment schon tot. die romantische erloesung, die man insgeheim natuerlich trotzdem herbeisehnt, verwirklicht sich als nichthappyend eben im moment des todes. genau das hat man doch gewollt: die aufloesung der figur.
um diese figur dann seligsprechen zu koennen, muss das tagebuch veroeffentlicht werden. und der stiefschwester das genick brechen.
dabei ist die stiefschwester in dem moment keine minder ethische figur als die anderen beiden – sie geht an der simplen erkenntnis unter, dass das imaginierte grosse andere einen fiesen bruder hat: das ganz reale fuer richtig gehaltene. im unterschied zu ihrem bruder hat sie diesem genauso falschen grossen jedoch bis zum ende widerstanden. und waehrend die verwoehnte blage von bruder sich verlieben, laeutern und sterben darf, muss sie untergehen.
bleibt die hoffnung, dass die kansasfrau das auto gegen den baum setzt und man nochmal von vorne anfangen kann. denn eine perspektive ist ihre bravo – biografie auch nicht. aber das ist geschichte und kein film. vielleicht schreib ich diesen text auch nochmal und besser. who knows. der tod der beteiligten ist uebrigens klar darauf zurueckzufuehren, dass das licht anging. for those who know.